3 Tage Champagne, 60 Winzer

26.04.2013 09:20

Von Sonnag bis Dienstag dieser Woche (21. bis 23. April 2013) verbrachte ich drei intensive Tage in der Champagne. Die Verkostung der Champagner von mehr als 60 Champagner-Winzern war sicherlich auch ein wenig anstrengend, aber es war extrem lehrreich und hat mir sehr viel Spaß gemacht. Engagierte Champagner-Winzer organisierten drei sehr interessante Veranstaltungen für Fachpublikum. Besonders spannend war dabei, dass man nicht nur die aktuellen Lagen-Champagner verkosten konnte, sondern auch die Grundweine des Jahrgangs 2012.

 

 

 

 



 

Links: Weinberge oberhalb von Ay; Rechts: Die Ortseinfahrt von Cramant

Der Veranstaltungsreigen begann mit Terroirs & Talents de Champagne in Epernay. Die bekanntesten Winzer dieser Degustation waren De Sousa (Avize), Eric Rodez (Ambonnay), Philippe Gonet (Mesnil), Maurice Vesselle (Bouzy) oder Janisson-Baradon (Epernay), deren Champagner auch mit wenigen Ausnahmen sehr beeindruckend waren. Besonders angesprochen haben mich jedoch die Champagner von Jean-Marc Seleque (siehe Bild links) aus Pierry. Der erst 25-jährige erweiterte sein Wissen unter anderem bei Chandon im Napa Valley (Kalifornien) und bei Chandon im Yarra Valley (Australien). Er installierte bereits biodynamische Arbeitsweisen, im Keller findet sich eine zunehmende Anzahl an Barriques und auch mit Betoneiern beschäftigt er sich. Es wird spannend sein, die Entwicklung dieses jungen Kerls zu beobachten. Es ist sehr gut möglich, dass seine Champagner in Kürze hier zu kaufen sind.

Am zweiten Tag ging es zu Terres et Vins de Champagne nach Ay und diese Verkostung hatte es in sich. Stars der Szene wie Bereche, Bedel, Chartogne-Taillet, Doquet, Leclapart, Laherte, Ledru, Horiot, Tarlant, Agrapart und viele mehr zeigten Ihre Produkte. Besonders gefallen hat mir Bereche, da war es schon ein Vergnügen die Grundweine zu trinken. Äußerst überzeugend waren auch die Champagner von Fabrice Pouillon, enorm präzise, komplex, von Mineralität geprägt und wunderbar balanciert. Ebenso begeistert war ich von Francis Boulard's und Pascal Doquet’s Champagnern sowie von den Lagen-Champagnern von Alexandre Chartogne. Wie auch bei Tarlant vinifiziert Chartogne-Taillet einen Champagner aus einer Parzelle mit wurzelechten Reben – sehr spannend!Diese Aufzählung an Highlights könnte ich noch mehrere Seiten fortsetzen, das würde jedoch den Rahmen sprengen.

 

 

 

 

 

 

Links: älterer Weinberg auf Kreideboden, gut sichtbar ist auch die nierige Erziehungsmehtode; Rechts: Picnic in den Weinbergen, aus dem Kofferraum Entenleber, Salami, Ziegenkäse mit Cranberries, frisches Baguette

Am dritten Tag ging es nach Reims, in die stilvollen Räumlichkeiten des berühmten Sterne-Restaurants Les Crayeres, zur Veranstaltung Les Artisans du Champagne. Mit von der Partie waren bekannte Betriebe wie Vilmart, Pierre Peters, Robert Doyard, Gonet Medeville oder Vergnon. Besonders hervorzuheben sind die äußerst eleganten und tiefgründigen Champagner der liebenswürdigen Rodolphe und Fabienne Peters, die scheinbar mit leichter Hand vinifziert wurden. Herausragend für mich waren auch zwei Champagner von Huré. Memoire, dessen Grundwein aus einer Solera kommt, und Terre Natale 2000, aus den besten Parzellen des Gutes, 10 Jahre gelagert. Sehr angesprochen haben mich auch die Champagner von Doyard (Clos de l’Abbaye 2008) und Dehours (La Cote en Bosse). Zu guter Letzt sei Coeur de Cuvee 2004 von Vilmart erwähnt, den ich zwar schon häufig aus anderen Jahrgängen getrunken habe, aber so großartig noch nie erlebt habe.

Auszumachen sind folgende Trends:
- Es gibt immer mehr Einzellagen-Champagner
- Niedrige Dosage
- Ausbau in Barriques
- viele beschäftigen sich mit biodynamischen Anbau

Für mich war die Reise eine großartige Erfahrung. Ich habe nicht nur viel über die Champagne und Ihre Winzer erfahren, konnte in kurzer Zeit extrem viel verkosten, es war auch ideal um herauszufinden, was mir selbst am besten schmeckt. An diesem spannenden Thema werde ich sicherlich dran bleiben. Ein kleines aber feines Sortiment ist mein Ziel.

Herzlichst Ihr

Josef Schreiblehner

PS: Sollten Sie bestimmte Winzerchampagner suchen, würde ich mich freuen, wenn Sie mich ansprechen – Vieles ist organisierbar. josef@schreiblehner.com

Bildquelle: Josef Schreiblehner