Kalifornienreise - Tag 4

03.05.2018 09:00

YANNICK ROUSSEAU

Der vierte Tag begann mit einem frühen Termin um 8:30 Uhr bei Yannick Rousseau. Seine Weine lagern im Gewerbegebiet von Napa in einer zweckmässig ausgestatteten Lagerhalle. Sogar einen Verkostungsraum mit Office gibt es. Eine Ecke der Halle ist gemütlich eingerichtet, mit Sofa und einem netten Tisch für Gespräche. Yannick arbeitete einst bei Newton, als ich dort vor vielen Jahren für 4 Wochen im Keller mitgearbeitet habe. Später arbeitete er bei Chateau Potelle am Mount Veeder. Daher kennt er den Mount Veeder auch besonders gut, bekommt von dort auch Trauben. Yannick ist auch Vertreter für einen französischen Fasshersteller, daher ist er auch in ganz Kalifornien sehr gut vernetzt und kennt extrem viele Winemaker und Weingutsbesitzer.
Yannick kommt von der Cotes de Gascogne, besuchte die Weinbauschule und arbeitet unter anderem auch auf Chateau Montus beim legendären Alain Brumot. Er trägt seine Heimat im Herzen und er stellt auch einen sehr geschätzten Old Vine Colombard her, als Tribute an seine Heimat. Dieses Jahr war der Colombard schon ausverkauft, daher viel die Verkostung aus. Wir starteten daher mit einem großartigen Chardonnay aus dem Haynes Vineyard in Coombsville, von einem Block mit alten Reben. Man merkt, dass Yannick Gefühl für die Weine hat, der Wein ist elegant, schön frisch und kraftvoll zugleich, der Einsatz des neuen Holzes reduziert. Hervorragend, und verhätlnismäßig preiswert. Es geht weiter mit den Rotweinen. Wir beginnen mit SOB: Son of a Butcher. Tatsächlich ist Yannick der Sohn eines Metzgers und auch dieser Wein zollt seinen Wurzeln Respekt. Es ist ein Wein der großartig zu einem Steak passt, oder einem Schmorgericht. Frisch, tolle Frucht, perfekt integrierte Tannine, toll gebaut, ein Wein der gut zu trinken ist und  nicht Satt macht. Zudem wird er unter 20 Euro kosten und das Etikett ist witzig und attraktiv. Ein cooler Wein. Es geht weiter mit einem …. Ja mit einem Tannat. Auch hier händelt Yannick die Tannine sehr gekonnt. Der Wein hat Frische und eine blaubeerige Frucht, auch Kräuter und Mineralien. Spannend. Es folgt die Steigerung zu einem Einzellagen Tannat The Musketeer  aus dem Alder Springs Vineyard in Mendocino County. Ein großartiger Wein mit Energie, Mineralität, Frische, Balance, perfekt gebaut, die Tannine sind da aber extrem gut eingebaut. Ein Wein, den man in Kalifornien niemals vermuten würde. Abschließend kommt der Sonnenkönig „Le Roi Soleil“, ein Cabernet Sauvignon vom Mount Veeder. Ein Wahnsinnsteil, ein großer Cabernet Sauvignon. Die Weine sind extrem gut und individuell, alles ist sehr professionell. Er hat es drauf, der Yannick!
 

BROOKMAN

Wir düsen Richtung Norden auf dem Silverado Trail und treffen uns um 11 Uhr mit Gary Brookman. Gary ist der Langzeit Winemaker von Miner Family Wines. Er vinifiziert jedoch auch ein paar Hundert Kisten Cabernet Sauvignon seines eigenen Weines. Die Trauben sind zum Teil vom Rand des Talbodens, zum anderen Teil von hoch oben am Berg vom berühmten Stagecoach Vineyard. Gary macht kein großes Aufsehen, zeigt uns den Keller und wir verkosten vom Fass. Das schmeckt schon sehr gut. Gary versteht sein Handwerk und weiß genau was er will. Wir verkosten den 2012er, ein warmer Jahrgang. Doch Garys Wein hat auch Frische und enormen Druck, ist nicht überextrahiert. Der Wein mach Eindruck und hat auch einen verhältnismässig günstigen Preis für einen Cabernet aus dem Napa Valley in dieser Qualität. Der 2013er legt wenig überraschend noch eine Scheibchen drauf. Er hat mehr Frische und Engergie und gefällt und großartig. Gary gibt uns die offene Flasche mit, wir freuen uns und sind schon wieder im Auto unterwegs nach St. Helena. Wir machen Mittag und holen uns bei Sunshine Foods Sushi, das wir auf einer schattigen Parkbank geniessen.

SMITH MADRONE

Der Berg ruft. Wir fahren den Spring Mountain hoch. Die Strasse ist sehr kurvig und recht eng. Es ist wunderschön da oben. Um 14 Uhr haben wir einen Termin bei Smith-Madrone. Sam Smith, der Sohn von Stu(art) Smith erwartet uns gemeinsam mit einigen Mitverkostern. Wir sind hier ganz oben am Berg, an der Appellationsgrenze zu Sonoma, es ist deutlich kühler als im Tal. Bekannte Nachbarn sind Pride Mountain, Paloma, Barnett, Auch Stony Hill oder Philipp Togni liegen recht nahe. Die Erde ist vom Eisengehalt rot, ist vulkanischen Ursprungs, beeindruckend sieht es aus.  Nicht nur die Lage ist kühl, auch die Smith Jungs sind coole Typen mit Charakter. Hier werden nur eigene Trauben vinifziert, es wird weder gekauft noch verkauft. Es geht los mit einem knackigen Chardonnay, mit toller Frucht, knackiger Frische, perfekt integriertem Holz, Zug, mineralsichen Kern und einem sehr fairen Preis. Was für ein erfrischender Chardonnay Stil! Stiltreu geht es weiter mit dem Cabernet Sauvignon des Hauses. Etwas Paprika blitzt auf und zeigt selbstbewusst seine kühle Art. Doch die dunkle Frucht ist auch da, Cassis, Brombeere, chewy tannins, toll definiert, langer Abgang. Großartig, dass es so einen kühlen Cabernet Stil im Napa Valley noch gibt. Erfreulich ist auch der Preis! Es folgt der Topwein des Hauses mit dem Namen Cooks Flat, benannt nach dem früheren Besitzer. Er ist eher im Stil der Napa Valley Ikonen geraten, kraftvoll, opulent und beeindruckend. Eigentlich braucht das Weingut den Wein gar nicht, aber ausverkauft ist er trotzdem immer. Abschließend dürfen wir noch den erstaunlich guten Riesling probieren. Er hat gute Säure, gelbe Früchte, ein Hauch Petrol, hat Extrakt und Kraft, ist überraschend auf einem recht hohen Niveau. In einer Blindverkostung könnte man ganz schön aufs Glatteis geraten. Sam Smith hat einige Monate bei Dr. Loosen an der Mosel gearbeitet um zu lernen. Vielleicht hat das den Riesling des Hauses noch besser gemacht. Stu Smith biegt um die Ecke mit seinem Weinbergsgefährt. Er hat ein wenig Zeit für uns und wir fahren durch die steilen Weinberge. Sie sind perfekt angelegt und nach der Sonne ausgerichtet. Stu erklärt uns alles ganz genau, wie sie die Weinberge über die Jahre immer besser verstanden haben und zum Teil auch die Ausrichtung angepasst haben. Smith Jungs wissen was sie tun. Es hat Spaß gemacht. Schön, dass es so ein individuelles Weingut im Napa Valley gibt!
 

KESNER

Wir brechen auf und fahren auf der anderen Seite des Berges ins Tal. Um 17 Uhr erreichen wir Healdsburg. Hier sind wir mit Jason Kesner in einer lässigen Seafoodbar verabredet. Haben Sie den Namen schon einmal gehört? Vermutlich  nicht. Jason Kesner ist der Winemaker von Kistler! Selbst macht er ein paar Hundert Kisten Wein, cool Terroir Weine von verschiedenen Weinbergen im Sonoma County. Jasons Background liegt in der Weinbergsarbeit. Er ist im Napa Valley aufgewachsen, hat später lange bei Hudson Vineyards gearbeitet. Steve Kistler hat ihn dann zu  sich geholt für die Weinberge. 2014 wurde er zum Winemaker ernannt. Jason weiß genau was er will und er kennt auch die Weinberge, von denen er die Trauben bekommt sehr genau. Er lässt immer recht früh lesen. Jason bestellt einige kleine Gerichte passend zu den Weinen. Wir verkosten und starten überraschenderweise mit einem Grenache. Die Weine haben alle Frische und Energie, mineralischen Drive, das gilt sowohl für die zwei Chardonnays, wie für die zwei Pinots und auch den Grenache. Das Highlight ist der Chardonnay aus dem Charles Heintz Vineyard: engmaschig, komplex, griffig, sehr lang. Genialer Stoff! Das ist etwas für Freaks. Bewertungen gibt es nicht. Ich würde sagen, die Weine brauchen gar keine Bewertungen, die finden auch so Freunde. Jason verabschiedet sich und überlässt uns die Weine. Wir verkosten sie im Hotel noch einmal. Die Pinots profitieren von der Luft und öffnen sich, ebenso wie die anderen Weine. Wir verkosten auch an den beiden nachfolgenden Tagen, sie bleiben stabil über drei Tage. Tip-Top!