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Egly-Ouriet

Egly-Ouriet steht heute für große, terroirgeprägte Champagner aus Ambonnay. Die Familiengeschichte reicht bis in die 1930er-Jahre zurück. Francis Eglys Großvater begann damals mit rund drei Hektar in Ambonnay. Über Generationen wurde der Besitz erweitert. Francis Egly übernahm 1982 und machte aus dem Traubenlieferanten einen kompromisslosen Récoltant-Manipulant. Damit begann der Aufstieg zu einem der Kultwinzer der Champagne.

Heute befindet sich das Weingut weiterhin in Familienhand. Francis Egly ist gemeinsam mit seiner Frau Annick Egly Eigentümer. Die nächste Generation steht bereits bereit: Tochter Clémence und Sohn Charles Egly arbeiten im Betrieb mit und übernehmen zunehmend Verantwortung.

Das Kernstück bilden rund ca. 15 Hektar eigene Weinberge, wobei die Angaben je nach Quelle und Einbeziehung der jüngeren Flächen variieren. Die wichtigsten Parzellen liegen in Ambonnay, Bouzy und Verzenay. Dazu kommen Premier-Cru-Flächen in Vrigny und Trigny sowie Chardonnay in Bisseuil. Die meisten Spitzenlagen liegen in Ambonnay. Besonders berühmt ist Les Crayères.

Egly-Ouriet ist damit in erster Linie ein klassischer Grower mit eigenem Rebbesitz. Zugekaufte Trauben spielen für die Identität des Hauses keine vergleichbare Rolle. Die Weinberge sind das Fundament. Francis Egly verbringt einen großen Teil seiner Zeit dort. Die Erträge sind niedrig. Das Lesegut wird bewusst sehr reif geerntet. Genau darin liegt ein wichtiger Unterschied zu vielen traditionelleren Champagne-Häusern.

Die Böden sind überwiegend Kreide, Kalkmergel und kalkhaltige Lehmböden. In Vrigny und Trigny kommen sandigere und mergelige Böden hinzu. Die berühmte Parzelle Les Crayères besitzt extrem flachgründige Böden. Nur rund 30 Zentimeter Oberboden liegen über mächtiger Kreide. Die Reben wurzeln hier tief in den Kalk.

Im Mittelpunkt steht Pinot Noir. Die Grand-Cru-Flächen sind ungefähr zu 70 % mit Pinot Noir und zu 30 % mit Chardonnay bepflanzt. In Vrigny dominiert Pinot Meunier. Die Reben sind ungewöhnlich alt. Viele Anlagen liegen bei über 40 oder 50 Jahren. Die berühmten Les-Crayères-Reben wurden 1946 und 1947 gepflanzt.

Im Weinberg wird sehr sorgfältig gearbeitet. Egly-Ouriet arbeitet im Weinberg nach biologischen Richtlinien. Die Lese erfolgt von Hand in kleinen Kisten. Schon bei der Ernte wird streng selektiert. Nur gesundes und vollreifes Lesegut kommt in die Presse. Eglys Anspruch an die Qualität der Trauben ist außergewöhnlich hoch. Bei der schwierigen Ernte 2023 benötigte das Team laut Decanter rund 300 Arbeitsstunden, um lediglich zehn Fässer Lesegut zu selektieren.

Vinifiziert wird in Ambonnay. Die Grundweine entstehen überwiegend in gebrauchten französischen Holzfässern. Ein Teil der Weine wird auch im Tank ausgebaut. Die berühmten Parzellenweine werden möglichst getrennt behandelt. So bleibt der Charakter jedes Weinbergs erhalten.

Ein wichtiger Punkt ist die Malolaktik. Egly-Ouriet blockiert sie bei vielen wichtigen Cuvées bewusst. Dadurch bleiben Säure, Spannung und Frische erhalten. Gerade beim Brut Tradition, Les Crayères und verschiedenen Jahrgangschampagnern wird auf die malolaktische Gärung verzichtet. Das erklärt einen Teil der markanten Energie dieser Weine.

Holz spielt eine zentrale Rolle. Die Grundweine werden überwiegend in französischen Barriques und größeren Holzfässern vergoren und ausgebaut. Der Anteil neuen Holzes ist bewusst niedrig. Beim Brut Tradition und beim Vieillissement Prolongé sind es beispielsweise etwa 10 % neues Holz. Viel wichtiger ist die lange Reife im gebrauchten Fass. Danach verbringen die Champagner außergewöhnlich lange Zeit auf der Hefe. Drei bis vier Jahre sind eher die Untergrenze. Spitzenweine liegen deutlich darüber.

Auch bei Schönung und Filtration geht Egly-Ouriet einen eigenen Weg. Die Weine werden grundsätzlich ungeschönt und unfiltriert abgefüllt. Damit bleiben Textur, Extrakt und die individuelle Persönlichkeit der Grundweine erhalten. Die Dosage ist ebenfalls extrem niedrig. Häufig bewegt sie sich nur bei 1 bis 3 g/l.

Stilistisch sind Egly-Ouriet-Champagner kraftvoll, weining und tiefgründig. Sie erinnern eher an große Weißweine als an leichte Aperitif-Champagner. Reife gelbe Früchte treffen auf Brioche, Nüsse, Gewürze und Kreide. Dazu kommen eine enorme Dichte und eine salzige Mineralität. Trotz ihrer Kraft bleiben die Weine präzise und frisch.

Die Fachpresse ist entsprechend begeistert. La Revue du Vin de France zählt Egly-Ouriet zu den großen Interpreten des Pinot Noir von Ambonnay und Bouzy. Gault&Millau hebt die Präzision, die samtige Textur und die würzige Struktur hervor. Besonders der Blanc de Noirs Vieilles Vignes gilt als herausragend. Auch Wine Advocate, Vinous und Decanter bewerten die Weine regelmäßig im hohen 90-Punkte-Bereich. (La Revue du vin de France)

Eine Besonderheit ist die konsequente Parzellenphilosophie. Egly-Ouriet war einer der frühen Winzer, die einzelne Lagen wie große Burgunderlagen behandelten. Die berühmteste ist Les Crayères. Der erste Jahrgang des reinsortigen Blanc de Noirs entstand bereits 1989. Der damalige Verkoster Michel Bettane hatte Francis Egly dazu ermutigt, diesen Wein separat abzufüllen.

Auch die Etiketten sind Teil dieser Philosophie. Sie wirken bewusst zurückhaltend. Im Mittelpunkt stehen Name, Lage und Herkunft. Bei den wichtigsten Cuvées ist das entscheidend. „Les Crayères“, „Les Vignes de Vrigny“ oder „Vieilles Vignes“ sind keine Marketingnamen. Sie beschreiben Herkunft und Charakter des jeweiligen Weins.

Beim Preis-Leistungs-Verhältnis ist Egly-Ouriet eine interessante Ausnahme. Die Spitzenweine sind teuer und teilweise nur schwer erhältlich. Der Brut Tradition beziehungsweise Brut Grand Cru gilt innerhalb der Egly-Ouriet-Kollektion jedoch als besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wine Advocate bezeichnete ihn bereits als einen der besten Werte der Champagne.

Das Besondere an Egly-Ouriet ist die kompromisslose Verbindung aus alten Reben, extrem reifem Lesegut, niedrigen Erträgen, Holzvinifikation, sehr langer Hefelagerung und minimaler Dosage. Dazu kommt die außergewöhnliche Konzentration auf die großen Pinot-Noir-Terroirs der Montagne de Reims.

Egly-Ouriet ist kein Champagner zum schnellen Wegtrinken. Es sind große, stille Weine mit Perlage. Weine, die mit Luft und Flaschenreife immer mehr zeigen. Genau das macht sie für Weinliebhaber so faszinierend.



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