Kalifornienreise - Tag 3

02.05.2018 10:53

LAMBORN

Der erste Besuch des Tages führt uns hinauf auf den Howell Mountain nach Angwin. Etwas versteckt und mitten im Wald befindest sich dort das Weingut Lamborn. Mike Lamborn holt uns im Ort ab, damit wir uns nicht verfahren. Die Lage ist traumhaft, mit einem herrlichen Blick ins Pope Valley. Die Weinberge sehen toll aus, sehr gepflegt und sehr gesund. Wir verkosten den Zinfandel 2014 mit dem Beinamen „The Earthquake Vintage“. Er hat eine tolle Frucht, ist lebendig, hat einen mineralischen Kern und eine attraktive mineralische Note. Danach folgt der Cabernet Sauvignon 2014. Ein toller Wein, druckvoll, mit Tiefgang, nicht überfrachtet, sehr gekonnt vinifiziert. Und da sind wir schon beim Thema: Heidi Peterson-Barrett ist die Weinmacherin. Einst war sie unter anderem für Screaming Eagle tätig. Heute macht sie noch Weine für einige wenige befreundete Kunden. Paradigm ist einer davon. Und eben Lamborn. Tolle Weinberge, recht alte Reben, Mountain Vineyard + Top Winemaker = Exzellente Weine!

MALDONADO VINEYARDS

Danach nehmen wir den Silverado Trail Richtung Norden nach Calistoga. Da ist ein Tasting-Room von Maldonado Vineyards. Lupe Maldonado war große Teile seines Lebens Vineyard Manager von Newton Vineyards. Sein Sohn Hugo trat in seine Fußstapfen. Sie haben im Laufe der Jahre eigene Weinberge kaufen können, unter anderem südlich von Napa im kühleren Teil, den Los Olivos Weinberg. Daraus entsteht ein großartiger Chardonnay mit Kraft, feinen Schmelz, auch viel Frische, Komplexität und Länge (2014). Er erinnert tatsächlich ein wenig an die Newton Unfiltered Chardonnays früherer Tage. Das ist kein Wunder, das ist ja auch das was die Maldonados gelernt haben. Mir gefällt dieser Wein sehr gut und es ist auch nicht verwunderlich, dass ihn die Fachpresse immer wieder mit sehr guten Noten bewertet. Aber noch etwas besser gefällt mir der 2014 Parr Vineyards Chardonnay. Er ist sogar etwas günstiger, hat mehr Frische, was ich durchaus suche, hat Zug, feine Aromen von Orangenzesten, nicht ganz reife Ananas, reife Grapefruit, feine Röstaromen, Komplexität und Länge. Abgerundet wird das Chardonnay Sortiment vom Farm Worker Chardonnay 2014. Es ist ein preiswerter, gut vinifzierter Chardonnay ohne Holzeinsatz, mit schöner Frucht und auch  etwas nussigen Anklängen, mittlere Komplexität, feine Frische, gute Länge. Er hat alles was ein guter Chardonnay haben muss. Die Rotweine sind nicht auf dem Niveau der Weißweine.

JOHN ARNS und SANDI BELCHER

Am Abend treffen wir uns mit meinem alten Freunden John Arns & seiner Lebensgegährtin und Winemaker Sandi Belcher. Vor vielen Jahren habe ich 6 Wochen in deren Haus auf der Couch geschlafen. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen, die ich nie vergessen werde. Das Haus liegt im unteren Bereich des Howell Mountain total versteckt und sehr idyllisch am Waldrand. Hier hat John vor vielen Jahren rund um das Haus seine Weinberge angelegt. Das kann er sehr gut, denn er hat eine Vineyard Management Company und pflegt die Weinberge von wohlhabenden Gutsbesitzern hier im Tal. Einst war er auch für viele bekannte Namen im Tal tätig, etwa Shafer, Caymus oder andere. Mittlerweile hat er seine Tätigkeiten reduziert, er ist schon in den Siebzigern und bevorzugt sich auf seine eigenen Weinberge zu konzentrieren. Das kann man auch durchaus schmecken, denn noch nie waren die Weine besser. Sandi ist eine sehr erfahrene Weinmacherin. Sie hat viele Jahre auf Long Vineyards gearbeitet und zudem in aller Welt beraten, auch in Asien. Sie war bekannt für einen beachtlichen Late Harvest Riesling und einen hervorragenden Old Vine Chardonnay. Sie kann also Chardonnay auf höchstem Niveau vinifizieren. Daher ist es auch besonders erfreulich, dass es jetzt auch einen Arns Chardonnay gibt. Die Trauben stammen von einem uralten Weinberg, den Charly Heintz im nahen Sonoma Valley bewirtschaftet. Er heißt Seavey Vineyard und soll einer der ältesten Chardonnay Weinberge sein, den es hier gibt. Das klingt vielversprechend. Das Versprechen wird mit dem 2017er gehalten, den wir vom Fass verkosten. Er vibriert, hat Druck, Frische, Mineralität, große Länge, herrliche, präzise Frucht, Wow. Wir gehen zum Abendessen in ein japanisches Lokal. Tolles Essen, Family Style, Essen auf den Tisch, jeder nimmt sich was er will. Wir genießen einen Multi-Vintage Cabernet Impromp2. Ein ungewöhnlicher und doch toller Wein. John ist müde, denn es steht ihm in den nächsten Tagen eine kleine Operation bevor. Daher verzichten wir auf weitere Verkostungen. Aber ich füge nachfolgend gerne meine Notizen vom letzten Jahr ein. Die Weine wird es voraussichtlich ab Novemer bei uns im Sortiment geben.
Verkostungsnotitzen des Arns Estate Grown Cabernet Sauvignon, verkostet im Mai 2017 am Weingut:

Los ging es mit dem Jahrgang 2011, der ja bekanntlich ein kühler Jahrgang in Kalifornien war. Von einem schlechten Jahrgang kann man jedoch keinesfalls sprechen, für europäische Gaumen sind solche Jahrgang sogar besonders attraktiv. Ich war schlichtweg begeistert vom 2011er, er hat eine tolle Frucht nach Cassis, Brombeeren, Schwarzkirschen, auch Kräuter, Vanille, Röstaromen, Mannerschnitten, reife Tannine, eine tolle Frische, total in Harmonie, stimmig, lebendig und speichelflussanregend, vielschichtig und auch elegant, langer Abgang. Toll!

Der 2012er präsentierte sich eher verschlossen. Wenn man ihn jedoch mit ordentlich Luft am Gaumen zerdrückte, konnte man erkennen, welch tolles Potential in ihm schlummert. Er ist jedoch der rundeste der drei verkosteten Weine, grundsätzlich aber schwer zu beurteilen im Moment.

Der 2013er hat uns einfach umgehauen. Er hat eine Energie, die ihn unwiderstehlich macht. Großartige Frucht, lebendig, reife Tannine, macht Druck am Gaumen ohne Ende, Frische, Struktur, es stimmt einfach alles hier. Er hat von allem viel und das ist auch noch im Gleichgewicht. Sehr langer Abgang. Wahnsinnswein!