Champ des Treilles

Jean-Michel Comme ? haben Sie diesen Namen schon einmal gehört?

Es handelt sich dabei um den technischen Direktor von Chateau Pontet Canet, immerhin eine der heißeren Aktien am Bordeaux Markt. Seit 1988, also seit 30 Jahren ist er dort bereits tätig. Er gilt als ein Spezialist für die biologische und bio-dynamische Bewirtschaftung und ist mitverantwortlich für den sagenhaften Aufstieg von Chateau Pontet Canet in den letzten Jahren.
Und dieser Jean-Michel Comme hat auch ein kleines 10 ha Privat-Weingut, zusammen mit seiner Frau Corinne. Natürlich wird dort auch im Weinberg biologisch und mit bio-dynamischen Praktiken gearbeitet. Ich hatte bis vor kurzem von diesem Weingut noch nie gehört, ein langjähriger Lieferant hat mich auf diese Perle aufmerksam gemacht. Der Name des Gutes:

CHATEAU DU CHAMP DES TREILLES!

Nach der Verkostung des 2016ers haben wir die ganze Menge, die wir noch bekommen haben, sofort eingekauft. Ich will jetzt nicht übertreiben, aber ich muss dennoch festhalten:

Das ist für mich der beste Wein aus Bordeaux, den ich in diesem Preisbereich jemals probiert habe!

Das 10 ha Weingut verfügt über etwas Weißwein und 6,5 ha Rotwein Reben. Es befindet sich am östlichen Rand des Weinbaugebiets Bordeaux. Stellen Sie sich vor, obwohl das Weingut ebenfalls in der Appellation Bordeaux liegt ist es ca. 150 km Fahrtstrecke von Chateau Pontet Canet entfernt, unglaublich! Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass den Großteil der Arbeit von Corinne Comme verrichtet wird. Corinne?s Großvater, ein italienischer Einwanderer, hatte den Weinberg in den 1920er Jahren angelegt. Die heutigen Reben sind durchschnittlich ca. 60 Jahre alt und die Stockdichte ist mit 10.000 Reben pro Hektar so hoch wie bei einem klassifiziertem Gewächs. Man kann das gut auf einem der Bilder sehen, wie eng die Reben stehen, auch wie niedrig sie gehalten werden.
Der Rebsortenspiegel wird von 63 % Merlot angeführt, ergänzt von 20 % Cabernet Franc, 9 % Cabernet Sauvignon und 8 % Petit-Verdot. Die Böden kann man als kalkhaltigen Lehm bezeichnen. Gearbeitet wird zertifiziert
biologisch unter Verwendung bio-dynamischer Praktiken. Jeder Rebstock wird wie eine eigene Persönlichkeit behandelt, um sich optimal entfalten zu können. Gelesen wird per Hand in kleine Kisten und es wird im Keller rigoros aussortiert. Die Gärung erfolgt spontan, der Ausbau über ca. 12-14 Monate in Barriques, wobei etwas 30 % der Fässer jedes Jahr erneuert werden.

Die Weine werden bewusst nicht zur Fachpresse oder zu Verkostungen geschickt. Das ist auch gar nicht nötig, die Qualitäten sprechen für sich, die Weine verkaufen sich auch so. Entdeckt habe ich jedoch einen Bericht aus 2013 von
Christoph Raffelt originalverkorkt.de über den Jahrgang 2009 des Grand Vins: ?Champ des Treilles ? So ziemlich das Beste, was ich bisher an Bordeaux gekauft habe. (?) Diesen Wein neben Weinen wie beispielsweise Poujeaux oder andere ehemalige Top-Cru-Bourgeois-Güter zu stellen, dürfte gar kein Problem sein. Da kommt dieser Wein ganz klar mit. MAN ERKENNT HIER DIE HAND EINES KÖNNERS (?) Seine Weine werden weder zu Kritikern noch zu irgendwelchen Concours geschickt. Er braucht keine Punkte. Ein Absatzproblem dürfte er trotzdem nicht haben.?

Corinne Comme über ihre Weinberge: ?Our family venture is first of all a human project. The vineyard, which is modest in size, represents the life work for my grandparents, Italians who immigrated to France in the 1920?s making wine making their livelihood.  This land that we cherish so deeply provides us with what it knows best.  Some of the oldest vines have seen key moments of the twentieth century: the re-plantings after the Liberation of France, the terrible freezes of the 1950?s, the ploughings before the departure for the Algerian war, the animal labour abandonment, and the surrounding landscape changing into vineyards all around.
But the vines probably still also remember the maternal care given to them by my family for generations. I, too, hope the vines remember my arrival in this world.  My first memories as a child are of playing with my brother on a blanket at the end of vine rows, followed by my first days of labour which were easy enough until the ultimate reward finally came and I was allowed to drive the tractor in the vineyards.  One day the bell toll of the nearby church announced a new day that a new generation of our family was to take over and lay its own blanket at the end of the vineyard rows ??